15.12.2010: Immer mehr Wintersportgebiete leiden an globaler Erwärmung – Sportler suchen nach Alternativen

Seit einiger Zeit ist die globale Erwärmung in aller Munde. Doch während sich Wetterexperten aus beruflichen Interessen gezwungenermaßen mit diesem Phänomen beschäftigen, spüren Wintersportler eher unfreiwillig die massiven Auswirkungen und suchen immer häufiger nach Alternativangeboten zum klassischen Skisport.
Der Schweiß läuft an seinem Körper runter und die Anstrengungen stehen ihm ins Gesicht geschrieben. Eike Schockenhoff hat sein Pensum für heute bewältigt; die Stoppuhr zeigt knappe 45 Minuten für die zehn Kilometer-Strecke. Ein zufriedenstellendes Ergebnis für den 23-jährigen Sportstudenten, der das Joggen eigentlich nicht zu seiner traditionellen Sportbetätigung im Winter auserkoren hat. „Normalerweise konnte ich im Winter hier im Sauerland immer Skilaufen“, so der sportbegeisterte Schockenhoff, „aber durch den Klimawandel und den damit verbundenen Temperaturanstieg bleibt der Schneefall immer öfter aus und ich muss eben joggen gehen.“
Mit diesem Problem ist der 23-Jährige aber keinesfalls allein in Deutschland. Und neben den vielen Skifans kämpft vor allem die Skitourismusbranche mit der globalen Erwärmung. „Der Schneefall wird immer seltener und wir leiden sehr unter den ausbleibenden Touristen“, sagt Benedikt Miglis, Mitarbeiter der Tourist-Information in Winterberg, der Stadt, die im Sauerlandkreis als zentrale Stätte des Wintersporttourismus gilt. Besonders das letzte Jahr habe große Probleme mit sich gebracht. „Wir hatten im vergangenen Winter eigentlich kaum Schnee und besonders die Liftbetreiber verzeichneten enorme Umsatzeinbußen“ schildert Miglis.
Doch worin liegen eigentlich die Ursachen für den so oft zitierten Klimawandel? Mitarbeiter einer Kölner Wetterredaktion, die namentlich nicht genannt werden möchten, haben zumindest eine Teilantwort: „Als der Hauptverursacher gilt natürlich der immens angestiegene CO2-Ausstoß. Doch auch viele weitere, weitaus kompliziertere Gründe, werden immer wieder angeführt.“ Allein im letzten Jahrhundert ist die globale Durchschnittstemperatur um ca. 1°C angestiegen. Was sich zunächst gar nicht so viel anhört, bringt dennoch einschneidende Folgen mit sich, die auch den Wintersport in Deutschland betreffen. „Der Schneefall wird zwar nicht weniger, aber die Schneefallgrenze verschiebt sich immer weiter nach oben“ erklären die Experten.
Und genau von dieser Tatsache ist eben auch der Sauerlandkreis betroffen, dessen gesamte Region vom Wintertourismus lebt. Aufgrund der zu niedrigen geographischen Lage muss vermehrt auf den Naturschnee verzichtet und alternative Angebote aufgegriffen werden. „Wir setzen immer mehr Schneekanonen ein, um den Touristen auch weiterhin das Skilaufen im Sauerland zu ermöglichen. Allerdings darf das Thermometer dafür die -2°C-Grenze nicht überschreiten “, so Miglis, der als aktiver Nordischer Kombinierer ebenfalls von den Witterungsbedingungen abhängig ist.
Um dennoch das Interesse der sportbegeisterten Touristen an der Region hochzuhalten, werden vor allem für wärmere Winter Strecken für Inline-Skater und Mountainbiker ausgebaut.
Mit etwas Wehmut hat auch Schockenhoff in seiner Heimat neue sportliche Betätigungsfelder gefunden. „Ich kann ja auch noch Schwimmen gehen oder Fußball spielen, da ist das Wetter erstmal zweitrangiger.“ Zusätzlich fährt er ab und zu in die Schweiz, wo die Skipisten noch gesichert sind. Und falls dies irgendwann auch nicht mehr klappen sollte, bleibt für den Sportfan immer noch das Fernsehen. Wenn er am Bildschirm die Spiele „seines“ VfL Bochum mitverfolgt, hat er zwar nur ein geringes Maß an körperlicher Betätigung, der Schweiß dürfte ihm aber auch hier das ein oder andere Mal an den Wangen herunterlaufen.
Text: Tobias Küpper